| Eau de Cologne |
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Die Geschichte der Eau de Cologne erscheint vielen unübersichtlich und verwirrend. Dabei sind die Anfänge der EAU DE COLOGNE so klar, so ersichtlich, so verständlich und so historisch belegbar. Im "Rheinisch-Westfälischen
Wirtschafts-Archiv" in Köln (RWWA) sind ab
1709 im
Original alle Einkäufe, Verkäufe,
Briefwechsel,
Produktion, Streitigkeiten und Immobilien dokumentiert.
Cölln,
im Mittelalter die
größte Metropole Europas, das "Rom des Nordens" war
um 1709
eine äußerst schmutzige Stadt. Erst 1667 hatte die
letzte
Pestseuche geendet. Arm
und Reich klafften weit auseinander. Unrat wurde auf die engen
Straßen geschüttet. Pferdemist bedeckte die
Plätze. Die
Gerber verübten ihr Handwerk in offenen Bottichen und kippten
die
stinkende Brühe
in die Bäche, an die Namen wie Rothgerberbach oder Blaubach
erinnern.
Zuweilen eintretendes Hochwasser des Rheins war eine nötige
Reinigung
der Altstadt. Kirchen, Klöster und Dom, umringt von Friedhöfen, Wein- und Kräutergärten, bildeten den Kern der Stadt. Köln erholte sich nur langsam von den Auswirkungen des 30-jährigen Krieges (1618-1648) mit dem Niedergang von Handel und Handwerk.
Seit Jahrhunderten führte die Stadt Köln einen ausgedehnten Handel mit der Apeninnen-Halbinsel betrieben, und so war es für Italiener leicht – genau so wie heute – sich mit den Kölnern zu verbinden. Im Umfeld des
festgefahrenen
Zunftwesens konnten sich Auswärtige nur mit zunftfreien
Artikeln,
"französisch Kram" oder Dienstleistungen wie dem in Italien
entwickelten Zahlungswesen sowie Speditions-, Inkasso- und
Kommissionswesen und Umschlagsrecht niederlassen. Die Verbindungen
der Italiener
entlang des Rheins waren familiär gebunden. Verwandt,
versippt,
verschwägert, hielten sie fest zusammen, was in vielen Briefen
um
1700 bekundet ist. Und so spielten sich die Italiener entlang des
Rheins ihre Stapelrechte und Einflußnahmen gegenseitig zu.
Eine
kleine Episode verdeutlicht die schnelle Kommunikation: 1718 wurde bei
der Firma Renouard in Frankfurt Tabak gestohlen, den der Dieb Nullmant
bei Farina in Köln zum Kauf anbietet. Farina war aber schon
durch
seien Geschäftsfreund Lagisse aus Frankfurt informiert und
konnte
so den Dieb festhalten. Man bedenke, daß zu dieser Zeit französisch die Handelssprache war. Man las und schrieb französisch, dachte aber italienisch. In deutsch wurde gerade Grimmelshausen gelesen. Und als Farina 1709 in Köln seine Firma gründete, wurde durch einen Zufall an den Hängen des Vesuvs die im Jahre 79 von Lava verschüttete Stadt Pompeji wiederentdeckt.
In das
Geschäft trat 1714 sein
Bruder Johann Maria Farina, der Parfumeur ein. Seine Mitgift war seine
"Nase". Ob wir etwas als Duft empfinden oder Gestank hängt mit unserer Entwicklung seit der Geburt zusammen. Der Säugling kann nicht unterscheiden zwischen guten oder schlechten Gerüchen. Erst im Laufe seines Lebens lernt er zu differenzieren. Geruch wird das
Ordnungssystem –
(vergleiche Brot und Benzingeruch) - Duft die Grundlage seines
Wohlbefindens. Die Geschichte der EAU DE COLOGNE handelt davon. Und hier nochmals
allgemeine
Historie über
den Gebrauch von Essenzen, Spezereien und Wässern um 1700.
Gehen
wir
heute auf einem marokkanischen oder ägyptischen Markt zum
Parfumhändler,
so haben wir ungefähr – mit Ausnahme des Klimas
– die Situation
des
Marktes in Deutschland um 1700. Jeder Händler hatte seine
Kompositionen
unter den vielen Sammelbegriffen wie Ungarisch Wasser, Eau imperiale,
Engelswasser
und Aqua mirabilis, dessen Hersteller unbekannt ist. Erst durch den Zusatz des Namens seines Herstellers wurde ein solches Wasser zum eigenständigen Duft. Als Beispiel sei hier "aqua mirabilis Langii" von 1622 angeführt. Und so war es auch die "Farina aqua mirabilis", die durch ihren eigenständigen Duft zur EAU DE COLOGNE wurde. Johann Maria
Farina bürgte
für die Güte seiner Eau de Cologne mit seinem Namen
und
Siegel. "Farina aqua
mirabilis" – "Farina
Eau de
Cologne"-Composition ist seit Jahrhunderten als einziges
originäres Rezept
bekannt und Johann Maria Farina beschrieb den Duft "ich habe einen Duft
gefunden,
der mich an einen italienischen Frühlingsmorgen erinnert, an
Bergnarzissen,
Orangenblüten kurz nach dem Regen. Er erfrischt mich,
stärkt
meine
Sinne und Phantasie. EAU DE COLOGNE
als Nachfolger des
Sammelbegriffs "aqua mirabilis" zu sehen, ist schlichtweg falsch. Man
könnte den Vergleich ziehen, Chanel No.5 oder Opium seien
Nachkommen des Eau de Toilette. Eine
große
Änderung in
der Herstellung der Düfte brachte die Destillation des reinen
Alkohols, chemisch Ethanol, nicht zu verwechseln mit den vielen
"Weingeisten" der damaligen Zeit, die oft wegen schlechter Herstellung
"Fuselöle" enthielten. Fuselöle verderben jeden Duft.
Farina brachte
diese Kunst des
Destillierens mit nach Köln. Die Herstellung war
äußerst teuer, und so ist es nicht verwunderlich,
daß
reiner teurer Alkohol bei Medizinern geschätzt wurde gegen
viele
"Wehwehchen". Alkohol je reiner und höher im Prozentgehalt
bringt
die Essenzen zum verdunsten. Es bleibt keine unangenehme
Geruchsveränderung durch Vermengung mit zersetztem
Schweiß,
Oxydation und anderen haftenden Gerüchen. Seine Kenntnisse der Essenzen, der Herstellung der Mazeration und Extraction waren groß. Seine Großmutter kam aus der Familie Gennari, der berühmten italienischen Aromateure des 17.Jahrhunderts. Umfangreich war seine Bibliothek deren genaue Aufzeichnungen im Farina-Archiv erhalten sind. Aus seiner umfangreichen Korrespondenz, die er auf seinen weiten Reisen durch Europa führte, erfahren wir von dem Verlangen nach Büchern.
In
Familienbriefen und
Tagebüchern, den sogenannten "Geheimbüchern", finden
sich
immer wieder Anspielungen – sogar spöttisch
– auf die empfindliche
Nase. Er beklagte sich
über den Mangel an guten Gerüchen in seiner neuen
Heimat.
Ohne
sein Duftwasser konnte er nicht leben. "Sein aqua mirabilis", wie er
es selber nannte, war etwas ganz Neues, nicht schwül, nicht
Gestank
oder Unsauberkeit überdeckend, sondern frisch wie ein
italienischer
Frühlingsmorgen. In immer neuen Beschreibungen versucht er,
den
Duft
in Worte zu fassen. In Farinas
Lieferantenbriefen geht
es immer
um die Reinheit der Duftöle. Er ließ sich die
Wetterlage
schildern,
wenn Bergamotte geerntet wurde. Bei jeder Sendung Cedrat verlangte er
den
genauen Destillationsvorgang beschrieben. Weil er mit den Ölen
oft
nicht
zufrieden war, kaufte er ganze Wagenladungen Früchte und
führte unter seiner Kontrolle die Mazeration und Destillation
in
Köln durch. 1723 wechselte Farina in das Haus Obenmarspforten 23, gegenüber dem Jülichs-Platz gelegen. Damit lag er an der besten Straße im damaligen Köln. Die
Anfänge der Farinas waren
schwer, aber die Kontinuität und Creativität der
Italiener
überwanden die Kriegswirren des spanischen und des
österreichischen Erbfolgekriegs. Aufgewachsen in dem kleinen
Ort
Santa Maria Maggiore in der heutigen
Provinz Novara, den ihre Vorfahren von Ancona um 1200 nach der
Pestseuche
über Craveggia um 1450 kommend zusammen mit sechs anderen
Familien
gegründet hatten, waren sie gewöhnt, sich anzupassen,
den
politischen
Überblick nicht zu verlieren und ihre Beziehungen zu pflegen.
Köln
war die kostbare Perle
in der
italienischen Handelskette entlang des Rheins zwischen Maastricht
und Basel. 1960 gibt der
internationale Eau de
Cologne Congress anläßlich des 275 jährigen
Geburtstages von Johann Maria Farina Kunde von der Heimatverbundenheit.
Es gibt dort eine
"Farina
Straße", eine "Farinella"-Glocke und in diesem Jahr entsteht
ein
Eau de Cologne Farina-Museum. Das Familiensiegel (Adler und Mehlsack
mit Ähren) ist der Heimat verbunden und ziert den Eingang des
Jahrhunderte alten Farina-Hauses in Santa Maria Maggiore.
Die
Ausgangsposition Luxusartikel
und die
französische Sprache privilegierte Farina, fast nur mit den
sogenannten "gehobenen Kreisen" in Geschäfte zu treten. Und so
gehörten Clemens August von Wittelsbach, der
Churfürst und
Erzbischof von Köln schon 1736 sowie der
Soldatenkönig
Friedrich Wilhelm von Preußen 1734 zu Farinas Kunden. Es ist
die
Zeit des Rokoko. Rauschende Feste, getanzte Menuette, elegante
Kutschen, knisternde Rüschen und Spitzen für die
Oberen.
Farinas Rezept und die Destillationskunst machten es möglich, einen immer gleichbleibenden Duft zu fabrizieren: das war etwas ganz neues. Der Duft aus Köln war begehrt und bald nannte Farina seinen Duft zu Ehren seiner neuen Heimatstadt EAU
DE
COLOGNE Brief vom 8.Juni
1719 an
Mons.Velding: ".....nous en auont que nous Vous paseront a un R le
Bottelie." (... das wir Ihnen zu einem Reichstaler die Flasche
überlassen werden...) Italienische Limette, Bergamotte, Neroli, Petitgrain, Orangen, Citronen, Pampelmuse, Cedrat waren die hauptsächlichen Ingredienzien. Um diese Inhaltstoffe zu kaufen, zu lagern oder selbst zu destillieren, bedurfte es mehr als des "Geheimnisses irgend eines Receptes von Mönchen, Einsiedlern oder sonstigen Märchengestalten". Aber dem
späteren Zeitgeist
entsprechend brauchte man Legenden. Johann Maria Farina ist der
einzige, der sich
nicht auf eine nebulöse Herkunft seiner Composition bezog. Er
hatte
und er liebte seinen Duft. Seine ausführliche Korrespondenz in
italienisch und französisch liest sich spannend wie ein
Erlebnisroman. Als
gebürtiger Italiener war
Farina penibel in seiner Buchführung, war doch das ganze
Finanzwesen italienisch getrimmt. So befinden sich lückenlos
vom
Beginn der Firma 1709 bis heute alle Journale, Hauptbücher,
Schriftwechsel, Rezepte und Produktionsanweisungen im Farina-Archiv,
Köln. 40 Jahre Frieden
zwischen Frankreich
und Österreich, der 7 jährige Krieg in
Preußen
(1756-1763). Farina und Köln zogen Nutzen aus dieser Zeit, die
Eau
de Cologne an den Höfen der damaligen Weltmächte
bekannt und
beliebt machte. Mehr als 50.000 Briefe von New York bis aus dem
fernsten
Asien eingegangen, zeugen davon. Der Name FARINA und COLOGNE wurden untrennbar. "1766 war eines
jener Jahre, von
denen es in Europas Geschichte nur sehr wenige gibt. Keine Kriege
wurden angezettelt, doch es wurde viel gebaut – fast alles im
reinsten
Barock. Nicht einmal als Geburtsjahr eines großen Mannes
steht
das Jahr 1766 in den Schulbüchern. Typisch für diese
ruhigen
zwölf Monate: Der berühmteste Tote in Deutschland war
Johann
Maria Farina, der Erfinder der Eau de Cologne." Den Erfolg seiner
Eau de Cologne
konnte er voll auskosten. Er war der Patriarch seiner italienischen
Gemeinde in Köln, verehrt, geachtet und oft als Schiedsrichter
angerufen. In der Pfarrkirche St.Laurentius wurde er im eigenen Grab
beigesetzt. Die Familie entfernte den Sarg vor dem Abriss der Kirche im
Jahre 1818 und überführte diesen auf den neu
gegründeten
Friedhof Melaten. Seine Erben
führte das
gefestigte Unternehmen zu weiterem Erfolg und nahmen darüber
hinaus am öffentlichen Leben der Stadt Köln regen
Anteil. So
war Carl Anton Farina (1770-1850) einer der 13 Mitglieder des
Magistrats, der 1797 anstelle des alten Senats als
Verwaltungsbehörde eingesetzt wurde und verwaltete dort die
Abteilung der Hospitäler. Das FARINA-HAUS
Obenmarspforten,
beste
Lage im damaligen Köln, Anlaufstelle für viele
elegante
Besucher und auch Refugium für Revolutionsflüchtlinge
war der
elegante Zirkel Kölns. Einladungen und Danksagungen geben
Kunde
von dem aufwendigen bürgerlichen Leben. Erwähnt sei
nur die
überlieferte Theateraufführung, zu der die Familie
Farina
1783 ihre Freunde in ihr Haus gegenüber dem
Jülichsplatz
eingeladen hatte. Aber erst nachdem die Franzosen
nach der Besetzung von Köln 1794 die Kirchengüter
enteigneten,
konnte Johann Maria Farina das Eckhaus Obenmarspforten kaufen, auf dem
vorher
Rechte des Klosters Himmeroth aus dem 12. Jahrhundert lasteten, die den
Kauf
verhinderten. Am 07.11.1797 wurde die Industrie- und Handelskammer gegründet , woran Heimann und Farina maßgeblich beteiligt waren. Am 28.04.1798 wird die Kölner Universität aus dem 14, Jahrhundert durch die Franzosen geschlossen. Unendliches Elend entstand, da die kleinen und großen Privilegien, welche den Kölnern aus Klöstern und Kirchen zufielen, nicht mehr gültig waren. Die vielen Priester und Nonnen waren ohne Nahrung und Kleidung.
Für
Kölnisch Wasser – wie
der Farina-Duft inzwischen hieß – war es die hohe
Qualität
gegenüber der Fülle ähnlicher Produkte auf
dem Markt,
die ihm den Erfolg in aller Welt ermöglichte, schreibt Dr.
Werner
Schäfke in seinem Buch OH! DE COLOGNE.
Für die
Gemeinde Santa Maria
Maggiore war er der große Mäzen. Sein Geld, das er
mit
seinem Duft in Paris verdient hatte ließ er dem Vigezzo Tal
zukommen. Farina
hatte in seiner Pariser Zeit als Hersteller die Bedeutung der Reklame
erkannt. Seine Zeitungsinserate, seine Prospekte stellten ein Bild,
eine personifizierung eines Duftes dar. In allen schriftlichen
Ausführungen war das Bild Mittelpunkt 1804 kaufte
Wilhelm Mülhens
eine Namenlizenz von einem Pseudo Farina. .Damit begann die Farina Inflation. Es schossen Plagiatoren wie Pilze aus dem Boden. FARINA und KÖLN, diese beiden Namen ließen die Nachahmer auf die obskursten Praktiken bei Gründung neuer Firmen verfallen. Es würde zu weit führen, alle zu nennen, die aufgestiegen und wieder verschwunden sind. Einzelne seien hier herausgegriffen Wilhelm
Mülhens Handlung
befaßte sich mit Spekulationsgeschäften und so
verkaufte er
anfangs "Franz Farina-Firmen", obwohl nicht klar war, woher er
seine Berechtigung zog. Auf jeden Fall brachte die Inflation an "Franz
Farina-Firmen" viel Ärger und Prozesse mit sich für
Mülhens und Farina. Nachdem Roger & Gallet in Paris in einem Prozess Mülhens 1880 verbieten ließ, in Frankreich den Namen Farina zu benutzen, musste er 1881 auch in Deutschland den Firmenname Franz Maria Farina ablegen. Er stellte die Hausnummer 4711 , die 1794 bei der Durchnummerierung seinem späteren Hause zugeteilt worden war, in den Vordergrund. Ferdinand Mülhens Käuferschicht war eine ganz andere als die von Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichsplatz. Die moderne Chemie machte preiswerte Herstellung möglich und "4711" errang nach dem 1.Weltkrieg einen in der Duftindustrie nie gekannten Verbreitungsgrad, der nach dem 2.Weltkrieg seinen Fortgang nahm. Aber die Politik des preiswerten Erfrischungswassers nahm einen für Köln verhängnisvollen Weg. Köln – Cologne, einst Stadt der edlen Düfte, wurde zum billig-Synonym. Die Familie Mülhens trennte sich durch Verkauf von ihrem Unternehmen 1994 an die Wella AG in Darmstadt und wurde 2004 vom amerikanischen Waschmittelkonzern Procter & Gamble übernommen.. Aber kommen wir zurück zu den "Farinas". Im 19.Jahrhundert nahmen die Farina vielfältigen Anteil am kulturellen und wirtschaftlichen Leben von Köln.
1823 war Johann
Baptist Farina unter
den Mitbegründern des "Kommitees des Kölner
Karnevals", dem
Vorgänger des heutigen "Festausschusses". Ab 1812 durften
in Köln nur
französische Straßennamen verwendet werden. "Jean
Marie
Farina vis-a-vis de
la Place Jullier" hieß schon seit 1733 die verwendete Adresse
in
Köln
Der Duft der "feinen Gesellschaft", den Johann Wolfgang von Goethe immer bestellte und so liebte, ( Bestellung vom 10. September 1814), wurde mehr von Männern gebraucht als von Damen. Der "Hauch von Gepflegtheit", den Kaiser Napoleon III von jedem Mann forderte, ließ die Umsätze im Eau de Cologne Geschäft in die Höhe springen. "In der Casino-Gesellschaft (gegründet 1809) herrscht der feine Duft des Hauses Farina" schreibt ein Besucher über einen geselligen Abend in Köln.
Eine besondere Stellung nimmt Jean Marie Farina (1809-1880) ein, der im Familienkreis "le grand" genannt wird. In jungen Jahren erfuhr er eine umfassende kaufmännische Ausbildung im In- und Ausland. Besonders gründlich befaßte er sich mit dem Markt in England und erschloß dem Unternehmen schon als junger Mann dort neue wichtige Käuferkreise als Ausgleich für den 1815 vorübergehend verlorenen französischen Markt. Auch lernte er im Mutterland der Industrialisierung Maschinen und technische Verfahren kennen wie zum Beispiel die erste Korkmaschine, die er 1837 im Kölner Unternehmen einführte. Damit leitete er den Übergang seines Unternehmens vom Handwerks- zum Industriebetrieb ein. 1836 führte Jean Marie Farina für seine Eau de Cologne die weiße Molanusflasche ein, welche die seit über 120 Jahren verwendete grüne Rosoli Flasche in wenigen Jahren fast ganz verdrängte.
Der große Erfolg der Firma rief eine Vielzahl von Nachahmern auf den Markt. Seit 1836 kämpfte er leidenschaftlich für preußische Schutzgesetze mit zahllosen Eingaben, Vorschlägen und Gesetzesentwürfen an den König. Als 1875 das erste Markenschutzgesetz des Deutschen Kaiserreichs verabschiedet wurde, konnte man mit Recht sagen, daß Johann Maria Farina einer seiner Mitschöpfer war. Daß die ersten drei registrierten Warenzeichen von "Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichsplatz" waren, ist nach den jahrzehntelangen Mühen nicht verwunderlich.
In der Zeit
seiner
Geschäftsführung erfuhr die Firma weltweit einen
steilen
Aufstieg und eine Vervielfachung des Firmenvermögens. 1837
wurde
das Unternehmen Hoflieferant der
Queen Victoria von England und mehr als 60 Diplome sowie
höchste
Auszeichnungen auf Weltausstellungen aus aller Herren Länder
folgten.
Ab 1933 mußte die Firma mit neuen politischen Situationen fertig werden. Die
Firmenhäuser, die das ganze
heutige Objekt "An Farina" umfaßten, wurden in der Nacht zum
29.Juni 1943 ein Opfer der Bomben. Über den 06.März
1945
berichtete das deutsche Oberkommando der Wehrmacht lapidar: "Der
Trümmerhaufen Köln wurde dem Feind
überlassen". Als Johann Maria Farina, der 4-fache Ur-Enkel des Gründers, 1952 im Alter von 24 Jahren Prinz Karneval "Johann Maria I." wurde, verwandelte man die Trümmer mit roten und weißen Zinnen zu der Hofburg seiner Tollität. Prinz "Johann Maria I." warf u.a. 120.000 Kölnisch Wasser Fläschchen unter die Zuschauer des Rosenmontagszuges und die New York Times schrieb im April 1952: "Eau de Cologne verwandelte Trümmer in Duft". 1975 Zusammenschluß der Häuser Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichs-Platz gegr.1709, Köln und Roger & Gallet, gegr.1806 von Jean Marie Farina, Paris.
"AN FARINA" ,
das Gelände
der Eau de Cologne Fabrik rund um das historische Farina Haus
wird mit exklusiven Wohnungen, Büros und Geschäften
neu
bebaut. Eine Oase inmitten Kölns mit begrünten
Innenhof und dem Kölner Frauenbrunnen.
Stolz meldet Jürgen
Götz Firmeninhaber von Goetz
Auktionen noch immer auf seiner Homepage: Zum
Glück enthält das Farina Archiv noch
ca 100.000 Eingangs-Briefe des 19.Jahrunderts. Um aber die entstandene
Lücke im Archiv wieder zu schliessen, bitten wir um Kopien
dieser
Briefe falls sie einem der Leser in die Hände fallen.
1997 beschloss die Stadt Köln eine
Straße nach
Johann Maria Farina (1685-1766) zu benennen. Die
Johann-Maria-Farina-Strasse liegt zwischen Industriestrasse und
Geestemünder Strasse im Kölner Norden. 1999 wurden wieder alle Anteile an der Firma von der Familie Farina übernommen. Damit ist die heute älteste Parfum Fabrik der Welt wieder zu 100% im Besitz der Gründerfamilie. In Frankreich, in
Südamerika,
in Asien
ist "Farina-Eau-de-Cologne" noch Synonym für edlen kostbaren
Duft.
Daß
Köln wieder eine Stadt der edlen Düfte werden kann,
liegt an
vielen
Faktoren.
Johann Maria Farina geht zu den Anfängen zurück, zu Qualität und Exklusivität. Der heutige Chef des Hauses, Johann Maria Farina führt das Unternehmen in der 8.Generation und steht als Parfumeur für die Qualität des Duftes wie seine Vorfahren über Drei Jahrhunderte. |
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Impressum Historisches Archiv Farina-Haus - Obenmarspforten 21 - 50667 Köln / Cologne E-Mail: Archiv@Farina-Haus.de Telefon 0221-399 89 94 |